#6 Letter of Inspiration - Und jetzt: Action?

In der Schweiz erwachen wir langsam aus dem Zustand der Pause. Daher findest Du in dieser Ausgabe meines Letter of Inspiration Gedanken, wie man den Moment der 'Leere' zwischen Stillstand und Neustart nutzen kann, warum der mittelalterliche Dichter Dante dabei eine Rolle spielt und was Microsoft CEO, Satya Nadella, mit dem Begriff 'Neue Demut' zu tun hat. Viel Vergnügen beim Lesen.

Und jetzt: Action?

Die gesamte Welt befand sich in einer Art “Pause”. Nur mit dem Unterschied, dass wir diese Pause völlig wach und bei klarem Verstand mitbekommen haben. Hat man die Reaktionen in der Gesellschaft beobachtet, so kristallisierten sich zwei Gruppen heraus: Die Aktivisten und die Paralysierten. Gleichwohl man für eine solche Situation nicht geschult ist, versuchte der eine Teil mit grossem Tatendrang einfach weiterzumachen, der andere war, ob schon der Welle an Unsicherheit, gelähmt.

Die wirtschaftlichen Schäden, die diese Pandemie auslöst, können wir uns im vollen Ausmass noch nicht vorstellen. Was jedoch sichtbar ist, sind die gesundheitlichen Folgen. Der Virus fordert Opfer, aber ebenso hat der sogenannte Lockdown starke Auswirkungen auf die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden vieler Einzelner.

Die Pause wird langsam aufgehoben, doch das alltägliche Leben kommt einem plötzlich vor, wie ein Zoobesuch: Normalerweise schützt uns eine dicke Glasscheibe oder ein Zaun vor den wilden Tieren - Nun sind es Handschuhe, Masken und ein Mindestsicherheitsabstand von 2 Metern die uns vor einer unsichtbaren Gefahr schützen.

Verlust von Nähe

Lassen sich Geschäftsbeziehungen über die Distanz aufrechterhalten oder droht ein ähnliches Verhältnis zu unseren Partnern, wie zu den Tieren im Zoo (nämlich keines)? Distanz lässt sich nicht einfach digital auflösen. Es macht uns das “Überleben” leichter, aber das Leben in der Digitalität hat seine Grenzen. Vor allem, wenn es um den Faktor Menschlichkeit geht. Durch die zwangsverordnete Reduktion unserer sensorischen Wahrnehmung verlieren wir momentan etwas, das essential ist: Unser Gespür.

Bestehendes neu denken

Natürlich lässt mich die momentane Situation nachdenken, ob es bei all diesen schwerwiegenden Ereignissen noch legitim ist, über Intuition und die Schärfung der Wahrnehmung zu sprechen. Ich denke, gerade jetzt ist das Thema wichtig. Es gibt Menschen, die glücklicherweise nicht gesundheitlich angeschlagen oder wirtschaftlich schwer betroffen sind. Macher, die es gewohnt sind zu Handeln, auch sie sind in diesem leeren Zustand zwischen Stillstand und Fortschritt gefangen und haben ein Recht auf Ansprache und positive Gedanken.
Ich würde diese Personen, neben den Aktivisten und Paralysierten, in eine dritte Gruppe einordnen: Die Überlegten. Sie nutzen den Moment der Leere, zwischen Stillstand und Fortschritt, und reflektieren. Es würde mich nicht wundern, wenn dabei Erkenntnisse aufkommen, die den unstillbaren Drang nach Wachstum, das bisherige Konsumverhalten von Gütern, aber auch zwischenmenschliche Kontakte, hinterfragen. Muss man wirklich in jedes Meeting selbst? Oder zu jedem Firmenapèro oder jeder Konferenz? Und braucht es das neue “was auch immer”? Durch die Reflektion steigt der Anspruch, wie man die Zeit bestmöglich nutzt. Es geht plötzlich um kraftvolle Gespräche, die einen stimulieren und aktivieren. Lieber wenig, dafür aber einen wertvollen Austausch. Nicht irgendein Gespräch, sondern eines, das etwas auslöst.

Ruhe, Reflektion, Neubeginn.

Wir haben also geruht, uns gesammelt und sind bereit zum Wiedereinstieg. Auf was sollten wir uns freuen? Das Miteinanderentwickeln wird in der kommenden Phase essentiell sein, denn wenn Krisenzeiten für etwas gut sind, dann für das Rückbesinnen auf die eigene Stärke. Und das macht auch deutlich, an welchen Stellen wir vertrauensvolle Unterstützer brauchen.

Bestehende Erfolgskonzepte müssen jetzt neu gedacht und in den neuen Kontext, in dem wir uns befinden, übersetzt werden. Doch neue Gedanken entstehen nicht im gewohnten Umfeld oder der eigenen Komfortzone, sondern im kontroversen Austausch mit Menschen aus anderen Feldern. Öffnet man seinen Blick, kann einen Inspiration aus anderen Industrien erreichen. Ob das im Kreativprozess von Designern ist, die die aktuelle Situation in ihren Produktvariationen verarbeiten, oder die Kreativität, mit der Gastronomiebetriebe auf die Situation reagiert haben. Diese Impulse lassen sich auf das eigene Geschäft übersetzen und anwenden.

Es ist kein Zufall, dass der mittelalterliche Dichter Dante Alighieri auf seinem Weg aus der Hölle ins Paradies einen Vertrauten hatte. In Dantes Fall war es Virgil, der ihm ein treuer Begleiter war, ihm zuhörte und ihn führte. Virgil symbolisiert Dantes „Gespür“. Diese Pandemie war nicht vorhersehbar und die Ausmasse sind ungewiss. Dass wir Unsicherheit empfinden ist in Ordnung. Jedoch muss man diese nicht alleine aushalten. Dadurch, dass wir alle in derselben Situation sind, eröffnet sich die Möglichkeit, die Ich-Zentriertheit loszulassen und das Einbeziehen Anderer zuzulassen. Das war der Moment als Dante Virgil begegnet ist. Ein Gesprächspartner, der zuhört, gemeinsam die Kernthemen herauskristallisiert, das eigene Gespür schärft und Handlungswege, aus der „Hölle gen Paradies“, aufzeigt. Virgil - das Gespür - ist im Moment der Krise eine unterschätzte Waffe, die es lohnt zu (re-)aktivieren.

Die gute Nachricht ist: Gespür lässt sich entwickeln und stärken. Die Reise aus der Hölle gen Paradies sind wir bereits angetreten. Diesen anspruchsvollen und unbekannten Weg bestreiten wir nur, in dem wir unsere Perspektive öffnen und neuen Gedanken Raum geben. Die Gedankenknospen dafür trägt man in sich, um sie aufblühen zu lassen, braucht es die passenden Impulse. Das kuratieren solcher Impulse ist mein Kerngeschäft und zeigt sich u.a. in Veranstaltungen wie dem Zero Senses Retreat oder in individuellen Begleitungen. Das Retreat Format bietet in 2 ½ Tagen Führungspersönlichkeiten ein Feuerwerk an Impulsen aus anderen Bereichen und schafft die Brücke zur Anwendung im eigenen Arbeitsalltag. Die nächste Veranstaltung findet im Herbst statt und Du kannst dich hier vormerken lassen.

Mehr Details zum Zero Senses Retreat und die Companionship

Was mich kürzlich inspiriert hat: Neue Demut

Ich frage mich, ob es dieses „Neue Normal“ wirklich geben wird oder ob doch alles einfach weitergeht wie vor dem Lockdown. Und gleichwohl, dass uns diese einschneidenden sechs Wochen in Isolation nicht geprägt haben, wäre wohl naiv zu glauben. Ein Bereich der von der ersten Minute gefragt war, ist das Management gewesen. Wie führe ich mein Team über die Distanz? Wie halte ich die Motivation auch bei Kurzarbeit aufrecht, und wie schaffe ich eine Perspektive ohne eine Antwort auf die Zukunftsfrage zu kennen? Das Schweizer Wirtschaftsmagazin BILANZ veröffentlichte in seiner aktuellen Ausgabe (05 - Mai 2020) einen ausführlichen Beitrag mit dem Titel „Neue Demut“. Es postuliert gegen die „Egoshooter“ im Topmanagement und ruft die Zeit der „selbstlosen Manager“ aus. Zu Beginn wird Satya Nadella, CEO von Microsoft, aus einem Post an seine Mitarbeiter zitiert:

"Vieles ist unbekannt und ich weiss, wie beunruhigend und unsicher sich das anfühlt, ich selbst mache mir Sorgen (...) und frage mich, wann unser soziales Gefüge wiederhergestellt sein wird."

Natürlich profitiert ein Konzern wie Microsoft von diesen Zeiten mit seinen Cloud-Services, ein Bereich, der um mehr als 700 Prozent zulegen konnte. Doch diese Kennzahl ist für Nadella kein Massstab. Er kommentiert: „Bedeutungslos.“ Sich über einen so willkürlichen Meilenstein zu freuen, sei „der Anfang vom Ende“. Mit dieser „Purpose statt Profit“-Einstellung ist Nadella nicht alleine. Novartis, Google und IBM folgen einer Unternehmer-Philosophie, die nicht nur rational lenkt, sondern Empathie und Intuition als weitere Währung eingeführt hat.

Wenn diese Pandemie für etwas gut ist, dann um den Zusammenhalt untereinander zu stärken. Zumindest wäre das ein schöner Ausgangspunkt nach dieser auferlegten Pause.

Viel Vergnügen mit dieser Aussage des Letter of Inspiration.


#5 Letter of Inspiration - Freude vs. Unsicherheit

In dieser Episode des Letter of Inspiration teile ich, warum ich nach-Corona kein Fest der Freude sondern Unsicherheit vermute, und warum Vertrautes uns Orientierung geben wird. Zudem findet ihr Inspiration in der Purheit des Künstlers Vincent Van Gogh und Bilder zu meiner ‚Tour of Inspiration‘ durch Zürich. Viel Freude mit dieser Abwechslung zum momentanen Alltag!

Was passiert nach dem Lockdown?

„Investiert in Talente. In Beziehungen. Investiert in euch selbst, also in Dinge, die ihr liebt und die euch etwas bedeuten.“ So Wolf Lotter in seinem Prolog im brand eins Magazin 04/2020.

Das mag einfach klingen. Wenn man jedoch gerade erst all seine Energie in den Aufbau eines neues Businesses gesteckt hat oder die Machtlosigkeit vor dem wirtschaftlichen Druck, der auf einem gestandenen Unternehmen aktuell lastet, spürt, ist das beherzigen solcher Aussagen schwierig. Gleichwohl gewöhnt sich der Mensch an neue Umstände schnell.

So war vor vier Wochen die Vorstellung alleine oder mit der Familie zuhause mehr oder weniger 24 Stunden „eingesperrt“ zu sein unvorstellbar. Wohnen, arbeiten, lernen, Sport treiben, kochen und schlafen, alles an einem Ort? Wie soll das funktionieren? Heute müssen wir feststellen: Es geht, sogar besser als gedacht. Viele tragen einen Beitrag hierzu bei: Ob es das Yoga Studio ist, das jetzt Online-Klassen anbietet, oder das Lieblingsrestaurant, das einem einen kochfreien Abend beschert, da es jetzt liefert. Fakt ist, jeder hilft. Wir haben begonnen aus unserer Stressblase heraus zu steigen und uns auf die Bedürfnisse anderer einzulassen. Zusammenhalten, sich um einander kümmern, Rücksicht nehmen: So meistern wir die 24/7-Zeit im Lockdown.

Ein Blick in die Zukunft: Mai 2020, der Bund erklärt den Lockdown offiziell als beendet. Es ist 15.00 Uhr und mit der letzten Pressekonferenz haben wir die Freikarte ‚nach Aussen‘ in die Hand bekommen. Werden wir, wie von vielen prognostiziert, in ein Momentum der völligen Ekstase und einem Feiersturm ausbrechen? Ich denke nicht.

Suche nach Halt

Die erste Reaktion wird vielmehr Unsicherheit sein. Dürfen wir jetzt wirklich wieder aus dem Haus? Darf ich ins Büro? Darf ich meine Freunde treffen und hat unser Lieblingscafé wieder geöffnet? Wir werden im ersten Moment, ähnlich wie ein Kleinkind, das beginnt zu laufen, vorsichtig zurück in die Welt tapsen. Eine Welt, die sich uns plötzlich wieder in ihrer Fülle präsentiert. Dass, was vorher normal war, ist jetzt ungewohnt und irgendwie fremd. Es gibt keine ‚Gehe zurück auf Los’-Karte, sondern es geht einfach weiter.

Natürlich gewöhnen wir uns an diese Situation wieder, aber zuerst suchen wir nach Orientierungspunkten. Wir suchen nach Vertrautem, das uns Sicherheit bietet in einer Welt, die wir einst kannten, der wir uns nun wieder annähern müssen. Bis vor wenigen Stunden hat der Bund unser Handeln und Tun gelenkt, jetzt sollen wir wieder selbst Übernehmen. Egal, ob es um die Wiederaufnahme der eigenen Tätigkeit, einer aufgezwungenen Auszeit, oder gar einen Neustart geht, was es jetzt braucht ist eines: Vertrautes.

Bekanntes gibt uns Sicherheit und stiftet Vertrauen. Das ausgiebige Feiern mit vielen, einst Leidensgenossen, die uns dennoch fremd sind, schafft das nicht. Ich bin überzeugt, dass diese Zeit nach Corona auf das einzahlt, was ich ‚Beziehungsnetzwerk‘ nenne. Momente mit Vertrauten, Austausch und vor allem ein Wiedersehen mit den Persönlichkeiten, die einem in der Krise wirklich gefehlt haben. Man stellt am Ende eben doch mit Erschrecken fest, dass das so viele gar nicht waren. Umso wichtiger, sich um die Wenigen zu bemühen und dadurch die stützenden Säulen in seinem Geschäfts- und Privatleben wieder zu beginnen aufzubauen.

Sehnsucht nach Bekanntem

Wir werden sicher den Drang verspüren zu verreisen, aber nur in Hotels und an Orte, die wir bereits kennen und innerhalb unseres eigenen Landes. Wir werden essen gehen, jedoch ohne Experimente, sondern zu unserem Lieblingsitaliener um die Ecke. Einkaufen werden wir mehrheitlich lokal und wenn möglich auf dem regionalen Wochenmarkt. Wir wollen diesen Zusammenhalt, den wir die letzten Wochen erfahren haben, aufrecht erhalten und weitergeben. Global braucht es aktuell nicht. Global macht uns eher Sorgen.

Was vermissen wir aus der Corona-Zeit?

Wochenlang seinen Interessen folgen zu können hat ein Ende. Lesen, Sport, Kochen, Malen, all das sind Aktivitäten, die unsere Kreativität nähren und denen wir uns verstärkt hingeben konnten. Den Effekt, den ich feststellen durfte: Es tut gut diesen Zweiklang aus Kognitiven (Business) und Kreativen zu haben. Die beiden Welten bedienen einander. Wie hält man, zurück im Alltag, diese Balance aufrecht? Zeit und Raum, das sind die magischen Worte. Das gelingt uns am besten, wenn wir unsere Kreativität im Kontext mit dem Beruf setzen. Mehr Stabilität in jeglichen Situation ist durch diese Balance garantiert.

Was mich kürzlich inspiriert hat: Nach Anerkennung streben, heisst sein Talent nicht ausleben.

Der berühmte Maler Vincent Van Gogh hat zu Lebzeiten gerade eins seiner magischen Bilder verkauft. Sein Talent wurde erst nach seinem frühen Tod mit 37 Jahren erkannt. In einer Sammlung der Briefe die Vincent seinem jüngeren Bruder Theo regelmässig schrieb, lässt sich die Entstehung und vor allem die harte Arbeit, die hinter dem Genie und dem Mythos des Malers Vincent Van Gogh versteckt, Stück für Stück nachempfinden.
Vincent lebte in ärmlichen Verhältnissen, sein Bruder Theo war sein Financier und alles Geld steckte er in Papier, Farben, sowie Malutensilien. Für sich selbst nahm er sich nur das Nötigste. Hingabe, Fleiss und Einsamkeit waren seine Begleiter. Er sagte einmal, dass er seiner Zeit voraus sei. Das war er wohl, und dennoch war er nicht müde weiterzumachen.
Die Geschichte des jungen Van Gogh soll motivieren, speziell in schwierigen Umständen den Glauben an das eigene Tun nicht zu verlieren und der kreativen Schaffenskraft als Unternehmer heute mehr denn je zu frönen. Nicht für andere, aber für einen selbst. Sollte die Geschichte alleine nicht inspirieren, dann sicher eines von fünf Sonnenblumen Bilder die Vincent Van Gogh malte. Dieses hängt in Amsterdam im Van Gogh Museum.

Last but not least...

Die Inbox unserer E-Mail Accounts ist voll mit ‚Inspiration‘ zu allen möglichen Themen. Genau hier liegt der Fehler: Wer bekommt unsere Aufmerksamkeit und viel wichtiger, was inspiriert uns wirklich? Inspiration ist ein Mittel, das ich einsetze, um die Blickwinkel meiner Kunden zu verändern, immer mit dem Ziel einen Zugewinn für klarere Geschäftsentscheidungen zu erzeugen. Diese Impulse können in Form der ‚Tour of Inspiration‘ stattfinden. Wie so etwas aussieht, ist hier bildlich festgehalten.

Soviel zu dieser besonderen Ausgabe des Letter of Inspiration.


#4 Letter of Inspiration - Ein gutes Leben

In dieser Ausgabe des Letter of Inspiration wage ich eine Annahme, was ein gutes Leben heute ausmacht und was das mit dem eigenen Charakter zu tun hat. Zudem spreche ich über das Rezept für Erfolg und mein Retreat, welches im März mit den Vordenkern aus Wirtschaft, Philosophie und Kulinarik einen einmaligen Ort zum Denken und Sein bietet.

Ein gutes Leben

Früher galt ein Leben als gut, wenn man sich alles leisten konnte. Alles war meistens klassifiziert mit mindestens einem Sommer- und Winterurlaub im Jahr, zwei Autos, einem Haus, vielleicht sogar einem Ferienhaus noch irgendwo im Süden. Die neuen Generationen haben weder einen Führerschein, noch lernen sie das Skifahren in der Schule. Interkontinental Flüge werden in Zeiten von Greta und dem überall spürbaren Klimawandel kritisch hinterfragt. Und Essen gehen? Ja, aber bitte vegan und mit regionalen Produkten. Ein gutes Leben: Was bedeutet das heute?

Luxus verabschiedet sich vom Überfluss

Mit dem Konsum ist es ähnlich, wie mit dem monatlichen Gehalt: Bis zu einer gewissen Höhe freuen wir uns noch über die Gehaltserhöhung. Ab einem bestimmten Punkt ist jedoch der Grenznutzen erreicht. Es kümmert uns nicht mehr, denn der nächste Sprung müsste ein immens grosser sein, um einen Unterschied in unserem Lebensstil auszulösen. Die letzten 40 Jahre waren gute Jahre. Was ich damit meine? Es hat uns an nichts gefehlt. Es war alles verfügbar und wenn, dann haben wir uns eher die Fragen nach dem 'Mehr' gestellt, aber nie nach dem 'Ob'. Der natürliche Reflex von ständiger Verfügbarkeit führt zur Abwendung, da langweilig. Ähnliches passiert mit dem Konsum. Er ist vulgär geworden, denn wir wollen nicht das nächste Sterne-Restaurant testen oder noch ein Auto kaufen. Auch braucht es das Haus in Spanien nicht mehr, denn die Kinder fliegen wegen ihres CO2-Fussabdrucks nicht mehr. Das Ende des Konsums führt zu einer Neuausrichtung des Luxus. Das Reduzieren, einen minimalistischen Lebensstil führen, scheint die Folge des Wohlstands zu sein.

Der einfache Lebensstil

Luxus hatte immer einen Abgrenzungsnutzen, der sich durch beschränkte Verfügbarkeit oder einen hohen Preis dargestellt hat. Nun banalisieren Plattform-Modelle wie booking.com oder UBER, aber auch Anbieter wie easyJet ein Gut, das lange nur denen, mit dem ‘guten Leben’ vorbehalten war. Heute hat jeder Zugang zu einem Top-Deal im 5* Hotel, der Chauffeur (UBER) holt einen vom Flughafen ab und der eigentliche Flug kostet nur 39.00 CHF. Wenn Luxus plötzlich demokratisiert wird, spätestens dann stösst dies einen Wendepunkt an. Hinzu kommen die neuen Wege der Kommunikation, die mehr visuell als verbal sind. Das perfekte Instagram-Bild löst die Postkarte aus dem Urlaub ab und WhatsApp erlaubt uns, trotz tausenden Kilometern Distanz, ständig mit unserer Familie und Freunden verbunden zu sein. Am Ende sehnen wir uns nach einer Pause. Eine Pause von all der Verfügbarkeit, dem imperfekten Moment, an den man sich erinnert, weil er eben nicht aussieht, wie aus einer Werbeanzeige abfotografiert.

Ein ausgeprägter Charakter

Zum Zulassen des Imperfekten gehört Mut. Wir wurden Jahrzehnte lang trainiert, wie ein gutes Leben auszusehen hat und nun sollen wir das einfach vergessen? Schwierig, und gleichwohl öffnet das einen neuen Weg. Ich wage die These, dass der neue Luxus stark mit der Persönlichkeit verbunden ist. Je stärker wir unseren Charakter ausbilden, desto stärker wird unser ‘neues Luxusgefühl’ sein. Der Weg zum guten Leben der neuen 20er Jahre läutet die Ära der Künstler ein. Wen dieser Gedanke interessiert, kann hierzu meinen Artikel „Das Zeitalter der Künstler“ lesen.

Rückblick: Mein Circle of Inspiration in St. Moritz

Wir müssen den Ursprung kennen, um die Konsequenzen zu verstehen. Die Frage, wie Unternehmer Relevanz in dieser neuen Zeit generieren, war das Kernthema meines letzten Circle of Inspiration (klick für Details). Gemeinsam mit einer intimen Gruppe geladener Gäste habe ich bei Hauser & Wirth in St.Moritz über die Kunst der Kontext-Kreation bei einem Dinner inmitten des inspirierenden Umfelds der Galerie diskutiert. Am Beispiel der aktuellen Ausstellung hat Direktor Stefano Rabolli Pansera uns mit seinen Geschichten in den Bann gezogen und eine anregende Tisch-Diskussion mit den anwesenden Gästen motiviert. Zusammenfassend wurde klar: Je genauer wir den Kern verstehen, desto besser sind wir in der Lage ihn zu vermitteln. Wozu braucht es das? Um Relevanz und somit Bedeutung in einer Zeit, in der alles verfügbar ist, zu erzeugen.

Was mich kürzlich inspiriert hat: Ein Rezept für Erfolg.

Meine Leidenschaft liegt darin, Momente der Inspiration für Führungspersönlichkeiten zu kuratieren. Das hat den wunderbaren Nebeneffekt, dass ich mit vielen spannenden Menschen Gespräche führen darf. Die wirkliche Kunst dahinter entsteht jedoch erst durch das Verbinden und Verdichten meiner Beobachtungen. Nun, nach ein paar kürzlichen Treffen, glaube ich “ein Rezept für Erfolg” erkannt zu haben.

Seinen eigenen Weg gehen: Eine inspirierende Begegnung hatte ich mit einem Antiquitätenhändler und Restaurator in Zürich. Er hat mir von seinen Berufsanfängen erzählt: Alle Kollegen sind zum Studieren und er hat sich entschieden einen handwerklich Beruf zu erlernen. Oft wurde er dafür belächelt. Heute sagt er - zurecht mit Stolz - “Ja, das was ich heute tue, können nur noch ganz Wenige. Ich würde daher schon sagen, dass ich erfolgreich bin.” Der Herr von dem ich erzähle, ist heute über 70 Jahre. Er sagt es geht ihm sehr gut, vor allem wenn er arbeitet, denn da merkt er weder die Zeit noch kleine Wehwehchen, die einen im fortschreitendem Alter ereilen.

Erfahrungen machen ist entscheidend: Beim kürzlichen Abendessen mit Künstlern, die man gemein als ‘erfolgreich’ bezeichnen darf, hat mich interessiert, ob sie ein Rezept für ihren Erfolg rückblickend erkennen. Unabhängig voneinander haben beide das Ausland als einen Grund genannt. Ohne das Arbeiten in Chicago oder Berlin wäre die Anerkennung ihrer Arbeit heute nicht an dem Punkt. Der gewonnene Perspektivenwechsel im Ausland und die gesammelte Erfahrung haben ihren Arbeiten einen weiteren Blickwinkel hinzugefügt und eine Verstärkung gewisser Charakteristiken verursacht. Starke Charakter haben etwas magisch Anziehendes.

Was ich daraus lerne? Erfolg ist etwas Individuelles. Es gibt kein Patentrezept. Viel wichtiger scheint mir das Folgen des intuitiven, persönlichen Weg, ob dieser nun zur Schreinerlehre, ins für eine Weile ins Ausland führt: Unser ‘gutes Leben’ definieren wir selbst.

Auf den Punkt gebracht

Ein gutes Leben galt lange als erfüllt, wenn wir eine Anreihung an materiellen Dingen verfügbar hatten, wie ein Haus, Autos und Urlaube. Diese Güter sind heute allgemeine Zugänglich, man mag sagen: demokratisiert. Das ‘gute Leben’ definiert sich neu. In einer Überflussgesellschaft wird ein einfacher Lebensstil zum Luxus. Das Imperfekte wird zum Sehnsuchtsmoment und plötzlich löst der Wunsch man selbst zu sein den Mut aus, eigene Charakterzüge wieder zu frönen. In einer Zeit der unlimitierten Verfügbarkeit ist das eine Kraft, die Unterscheidung wieder ermöglicht, denn Charakterzüge können nicht imitiert werden und im richtigen Kontext gesetzt gewinnen sie zudem an Bedeutung.


#3 Letter Of Inspiration - Die mitfühlende Maschine: Der Mensch.

Die dritte Episode meines Letter of Inspiration ermutigt zum Ausleben der eigenen Neugierde. Wir müssen nicht gleich Amerika durch Zufall entdecken, aber vielleicht etwas, was uns neben dem Job inspiriert. Zeit und die richtigen Impulse können unseren Blick verändern und unsere ‘Eigenartigkeit’ stärken. Das Zero Senses Retreat ‘Cultivating Presence’ bietet im März 2020 genau diese Möglichkeit.

Die mitfühlende Maschine: Der Mensch.

Auch ich musste feststellen, dass die Reduktion von Schlaf, das Optimieren unseres Körpers durch Morgensport und gesunder Ernährung, gepaart mit dem Versuch mein Gedächtnis durch Fremdsprachen mit neuartigen Apps zu optimieren, mich nicht die bessere Maschine werden lässt. Diese banale Erkenntnis wirft jedoch die Frage auf: Was bedeutet es menschlich zu sein? Kürzlich hatte ich eine angeregte Diskussion mit einem bekannten Schweizer Philosophen über den Unterschied zwischen Mensch und Maschine. Er fasste diesen wundervoll bildhaft zusammen:

Ein Laib Brot:

Wenn ich eine Maschine zum Bäcker schicke, um ein Laib Brot zu kaufen, bekomme ich ein Laib Brot. Wenn ich ein Kind zum Bäcker schicke, das den Duft von frisch gebackenen Schoko Croissants in der Nase riecht, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ich kein Brot bekomme.

Situative, impulshafte und individuelle Handlungen unterscheiden uns von der Genauigkeit und Perfektion, in denen uns Maschinen x-fach überlegen sind. In einer Debatte über künstliche Intelligenz zwischen Elon Musk und Jack Ma, sagte der Alibaba Gründer: „Schach ist als Spiel zwischen Mensch und Mensch gedacht, es interessiert mich nicht, ob eine Maschine mich darin besiegt, genauso wenig versuche ich schneller zu rennen als ein Auto.“ Wir erschaffen uns diese ‘Nutzgegenstände’ und die Zeit, die wir dadurch gewinnen, sollten wir laut Ma, in die eigene Entwicklung investieren.

Individuelles Denken

Serendipität steht für positive, überraschende Entdeckungen, die Menschen immer dann machen, wenn sie eigentlich ein Laib Brot kaufen wollen: Eine glückliche Fügung. Eines der berühmtesten Beispiele ist wohl Christopher Kolumbus, der durch Zufall Amerika entdeckte. Das Phänomen von Serendipität, ist in einer Welt, die durch Maschinen optimiert wird, jedoch undenkbar. Individuelles Denken ist ausgeschlossen. Liegt genau in diesem freien Denken das Potential, das uns aus der ‚mitfühlenden Maschine‘ einen Menschen macht? Und viel spannender: Wie kultiviert man genau diese Stärke? Nachdem wir die letzten Jahre doch mehrheitlich versucht haben, besser und schneller als Maschinen zu sein...

Raum, um diese überraschenden Entdeckungen zu schaffen biete ich mit meinem Retreat für maximal 10 Führungspersönlichkeiten im März 2020 an. Für ‘Cultivating Presence’ habe ich im Kern 5 Impulse kuratiert. Das 2 ½ tägige Programm bietet wissenschaftliche Beiträge durch internationale Meinungsführer aus Wirtschaft, Forschung und Philosophie, aber auch sensorische Impulse aus dem Bereich Genuss und Kunst. Der Schwerpunkt auf Sensorik schafft eine ganz andere Wahrnehmungsebene. Verstärkt wird das durch die Lage des Ortes, inmitten der Schweizer Alpen, was eine einmalige Atmosphäre erzeugt. Ein wahrnehmungsschärfendes Erlebnis mit Zeit und Raum zum individuellen Denken, ist garantiert. Hier gibt es alle Details.

Was mich kürzlich inspiriert hat? Die prägenden Jahre.

Gerade habe ich die Auto-Biografie von Marina Abramovic gelesen, eine der wohl erfolgreichsten Performance Künstlerinnen dieser Zeit und für mich eine sehr inspirierende Persönlichkeit.

Diese Frau, die sich selbst - ihren Körper - als Leinwand nutzte und ihre persönlichen Erlebnisse (Familie, Partner, Freunde) als ‘Farbe’ oder Inspiration zum Bespielen verschiedenster Schauplätze verwendet hat, schlussfolgerte nach fast 500 Seiten, dass sie all die Jahre nach Aufmerksamkeit und Zuneigung (vor allem von ihren Partnern) suchte. Warum?

Abramovic ist im kommunistischen Regime in Belgrad, ehemals Jugoslawien, in einer sehr gut situierten Familie aufgewachsen. Und dennoch fehlte es ihr an Liebe und Aufmerksamkeit, die sie vor allem durch ihre Mutter nie erfuhr. Diese Härte liess Marina nicht zuletzt leidenschaftlich ihre Performances aushalten, was der Titel ihrer Biografie ‘Durch Mauern gehen’ bildhaft verdeutlicht.

Das nun tiefenpsychologisch zu erkunden liegt mir fern, was ich jedoch als interessant empfinde, ist die Erkenntnis, wie entscheidend die Jahre unserer Kindheit für das spätere Verhalten sind (in Abramovics Fall noch heute mit 72 Jahren). TrendsActive, eine Trend-Agentur aus Holland, sieht sich genau diese prägenden Jahre auf einer Meta-Ebene an. Basierend auf den äusseren Einflüssen (u.a. finanzielle Stabilität, wirtschaftliche Entwicklung, Krisen) in den Jahren von 4 bis 14, leitet das Team von TrendsActive Verhaltensmuster ab und gibt Antworten, wie man als Unternehmen die jeweiligen Generation erreicht.

Es ist spannend, den Einfluss der prägenden Jahre als Erkenntnis in einer Autobiografie einer berühmten Künstlerin zu finden, sowie als Ansatz, um Zielgruppen in der Geschäftswelt besser zu verstehen.

Im Überblick

Wirklich reizvoll finden wir Personen, die aus bekannten Rahmen ausbrechen und ‘anders’ sind. Diese Eigenartigkeit haben wir alle in uns. Je künstlicher die Intelligenz wird, je mehr steigt das Potential, das in unserem eigenen Charakter steckt. Zeit, um das Potential zu entwickeln und zu nutzen, wird den Erfolg unserer Zukunft bestimmen. Nutzgegenstände, wie Alibaba Gründer Jack Ma Dinge bezeichnet, die von Menschen geschaffen wurden, sollen uns die Möglichkeit geben, dem individuellen Denken wieder zu frönen. Ich biete mit dem Zero Senses Retreat ‘Cultivating Presence’ im März 2020 den Raum dafür.


#2 Letter of Inspiration - Der Luxus: bewundert, begehrt, am Ende

In dieser Ausgabe meines Letter of Inspiration liest Du, wie sich das Verständnis von Luxus verändert hat, welche Rolle die Themen ‘Bedeutung’ und ‘Kennerschaft’ hierbei einnehmen, und warum das zum Ende des Konsums führt. Den Abschluss macht ein Impuls zur Leichtigkeit.

Der Luxus: bewundert, begehrt, am Ende

Der Luxusmarkt galt lange als Seismograph für den Massenmarkt. Ein grosses Statement, beginnend mit der Fragestellung, was Luxus eigentlich ist, und endend mit der Überlegung, was das für mein Geschäft bedeutet.

In den heranwachsenden Generationen (in Medien als Millennials und Gen Z bekannt) hat es in den prägenden Jahren, im Alter zwischen 10 und 25 Jahren, nie an etwas gefehlt. Sie sind in einer globalisierten Welt, ohne jegliche geografischen Grenzen oder eingeschränkten Zugang zu Produkten aufgewachsen.

Was macht einen Unterschied, wenn der Zugang zu allem uneingeschränkt ist und jeder alles zu jeder Zeit haben kann? Der Wunsch nach Bedeutung und Sinn wird immer stärker. Es ist vermutlich naiv anzunehmen, dass das keinen Einfluss auf eine Industrie hat, die von Konsum und Materiellem dominiert wird.

Ein Beispiel ist die Flugindustrie: Was lange als Luxusgut galt und nur einer ausgewählten Schicht zugänglich war, hat heute den Massenmarkt erobert. Flughäfen sind vergleichbar mit überfüllten Innenstädten und das Fliegen per se wird mittlerweile sogar von vielen als Last wahrgenommen. Die allgemeine Erhältlichkeit reduziert die Bedeutung. Konzepte wie NetJets, ein Anbieter für Privatflüge, wachsen stetig. Warum? Sie verkaufen keine Flüge, sondern Sicherheit und Unabhängigkeit für ihre exklusive Kundenklientel. Werte, die einen neuen Luxus beschreiben.

Wissen schafft Wertschätzung und somit Bedeutung. Auf der Suche nach Bedeutung ist Materialismus uninteressant geworden. Das Verständnis von Luxus entwickelt sich weg vom seinem Status-Nutzen hin zu einem Kennerschafts-Thema. Letztendlich diktiert die Tiefe des Wissens zum Produkt den Level an Genuss. Ein schönes Beispiel, das dies wunderbar dramatisiert, sind Menü-Präsentationen in Sterne-Restaurants. Hier findet selbst der lokale Bauer und die Milchkuh Erwähnung. Alles Wege, um dem Produkt (noch mehr) Bedeutung zu geben.

Welchen Einfluss hat das auf mein Geschäft? Erfolg hat, wer Bedeutung kreiert und diesen neuen Wert im passenden Kontext vermittelt.

Das Zeitalter des Connoisseurs

In dieser skizzierten Veränderung haben Personen mehr Wert als grosse Marken. Es geht um individuelles Denken und ein Mehr an Tiefe, als die durchschnittliche Google-Recherche mir beschert. Sichtbar wird das u.a. in der wieder aufkommenden Wertschätzung für Handwerkliches. Ob das im neuen Trend-Beruf des Baristas zu erkennen ist, der als Qualifikation ein extravagantes Wissen über Kaffeebohnen-Herkunft, Rösttemperaturen und Mahlgradstärke verfügt, oder, der Bereitschaft bis zu drei Monate auf ein handgefertigtes Paar Lederschuhe zu warten.

Was diese Entwicklung zudem befeuert ist eine Berufsgruppe, die lange nur in der Kunstwelt zu finden war: der Kurator. Eine Person, die persönliche Verbindungen zum Connoisseur hat, in der Kunstwelt als Künstler bekannt, und geschickt einzelne Werke zu einer Ausstellung verbindet. Diese Gabe wird zukünftig, übersetzt auf andere Branchen, mehr und mehr ein Bedürfnis sein und eine neue Form von Anerkennung geniessen. Die Suche nach Bedeutung lässt Konsumenten nicht mehr vor Boutiquen Schlange stehen, sondern nach Zugängen zu Kennern Ausschau halten.

James Freeman und sein BlueBottle

Vermitteln von Bedeutung in einem hoch kompetitiven Markt: James Freeman, Gründer der kalifornischen Kaffeehauskette Blue Bottle, hatte einen Traum: Er wollte 2004, neben den bereits bekannten Coffee Shops dieser Welt, den besten Kaffee anbieten. Viele Gespräche, Tastings und Forschungen später fand er heraus, dass der geschmackliche Höhepunkt von Kaffeebohnen 48 Stunden nach der Röstung signifikant abnimmt. Nun war sein Ziel klar: Er bietet nur Kaffee, der mindestens 48 Stunden nach der Röstung konsumiert wird. Das Ergebnis? Weltweit mehr als 60 Läden und ein Umsatz von 22.5 Millionen USD.

Das Ende des Konsums

Der exzessive Konsum ist nicht länger schick. Der Kennerschafts-Luxus zeigt sich im leisen, unaufdringlichen Genuss und lässt sich als radikal anspruchsvoll zusammenfassen. Einfach den teuersten Tropfen Rotwein zu trinken, genügt nicht, es geht nicht mehr um die laute Oberfläche (Status und Preis). Weinstil, Bezug zum Winzer, Weinanbau und -ausbau, das Hintergrundwissen bekommt Relevanz. Wenn der Sommelier, der Wein-Kurator, nicht überzeugt, dann wird lieber Selleriesaft oder Wasser mit Zitrone getrunken. Es herrscht ein neues Level an Klarheit. Der einfache Zugang zu Informationen macht es möglich und das Kennerschafts-Wissen lässt die Bereitschaft zum Kompromiss schwindend gering werden. Der Konsument ist bewusster, gebildeter und interessierter. Laut einer Studie des Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) wird dieser Trend noch weitergehen: ‘Der Konsument ist gleichzeitig Produzent.’ Nun spinnen wir den Kreis des Connoisseurs einmal weiter: Der eigene Anspruch steigt, das Handwerk erfährt ein Revival: Wird Kaufen irgendwann ersetzt durch Selbermachen und das Tauschgeschäft?

Was hat mich kürzlich inspiriert? Der Wunsch nach Leichtigkeit.

Im Kopf hatte ich wunderschöne, bunte Häuser, eingebettet in die Felsen des Tyrrhenischen Meeres, sowie weisse, kleine Strandbuchten, die einem von der heissen Augustsonne eine Abkühlung bieten. Die Realität der Amalfi Küste waren überfüllte Passstrassen, schwarze, heisse Kiesstrände, an denen man sein Handtuch im Tetris-Modus in eine kleine Lücke einpassen durfte.

Platz, Ruhe, Unabhängigkeit, für mich Attribute des leisen Luxus, weit gefehlt. Aber, die drei Tage an der Süditalienischen Küste waren gleichwohl bereichernd:
Menschen, vornehmlich Italiener, die all das nicht gestört hat. Die kultiviert, stilvoll den Moment genossen und gelebt haben. Weit weg von Selbstoptimierung oder -inszenierung für den nächsten Instagram-Post. Ohne Yoga-Lehrer-Ausbildung, veganer Ernährung oder dem Drang nach Minimalismus durch die selbstauferlegte Reduktion auf nur 100 Dinge. Alles Wege unserer schnelllebigen Zeit, um sich selbst wieder näher zu kommen. Nein, diese Leute haben Genuss und das Sein mit Leichtigkeit zelebriert.

Meine Beobachtung: Die Leichtigkeit bekommt nicht, wer am meisten Energie auf das Erreichen verschwendet, sondern das Gegenteil macht: Loslassen und Sein.

Im Überblick

Das Verständnis von Luxus verändert sich und löst einen Rückgang des inflationären materiellen Konsums aus. Der Konsum der Neuzeit entwickelt sich zum Kennerschafts-Luxus. Das setzt einen neuen Schwerpunkt auf Dich selbst: dein individuelles Wissen, dein persönlicher Kontakt und am Ende das Kreieren deines eigenen Kontextes. Ein Blick in das Buch von Hans-Ulrich Obrist ‘Ways of curating’ und mein Blog können erste Impulse in diese neue Welt geben.


#1 Letter of Inspiration - Die Leere aushalten

In diesem Brief findet ihr Impulse, wie wundersam das Aushalten von Unsicherheit sein kann, wie man Intuition als Entscheidungshilfe kultiviert und was mich zum Thema ‚Nachhaltigkeit‘ kürzlich inspiriert hat. Last but not least: die Essentials aus meinem Vortrag „Vom rationalen zum emotionalen Denken“, den ich vor 250 Managern in Zürich halten durfte.

Die Leere aushalten

Der Aufbau einer Unternehmung ist sicher kein leichtes Unterfangen. Jedoch ist es für mich wohl das aufregendste und formende Erlebnis bis jetzt:

- Aufregend daher, weil ich permanent Dinge zum ersten Mal machen darf. Ohne Rückhalt durch ein Unternehmen, einen Chef oder Geschäftspartner, der einen retten könnte, oder die vermeintliche Sicherheit eines Senior-Titels. Ich bin einfach nur ich selbst. Auch wenn dies grossen Initialaufwand fordert, so ist es eine Zeit, in der ich fast täglich wachse. Ich setze mich mit Themen intensiv auseinander, werde gefordert einst Erlebtes in einen neuen Kontext zu übersetzen, anzuwenden und arbeite genau auf den einen Moment hin: ein Kundentermin, ein Vortrag, ein Akquisegespräch. Bei dem ich genau dieses ‚neue’ Wissen, die eigenen Gedanken, teile. Was daran aufregend ist? Der Moment der Unsicherheit. Nicht zu wissen, ob der eigene Gedanke verstanden sowie anerkannt wird oder gar inspiriert. Der kurze Augenblick des Schweigens, der gefühlt Minuten gehen kann und der, zumindest bei mir, ein Gefühl des Schwebens ohne Sicht auf den Boden auslöst.

- Formend, da der Moment des Schwebens eine Leere auslöst, die ich gelernt habe zu geniessen. Das Gefühl, wie oben beschrieben, keine Reissleine zu haben, lässt mich wieder lernen, mich auf meine eigene Erfahrung zu verlassen und ausgehend von dieser zu argumentieren. Ein wenig, wie ein Kind, das einmal in die brennende Kerze gefasst hat. Es wird zukünftig nicht nur vermeiden in eine Kerze zu fassen, sondern wird auch vorsichtig sein, wenn es am Lagerfeuer mit Freunden sitzt. Die Kunst, diese Leere zu geniessen, steckt darin, einst Erlebtes in den Moment zu übersetzen und die Leere nicht als Gefahr (Lagerfeuer) zu sehen, sondern zu geniessen (wärmendes Feuer).

Ein Weg diesen Transfer von Erlebtem ins Jetzt zu trainieren, ist durch die Schärfung unserer Sinne. Jack Ma, Gründer von Alibaba, hat dies in einem mitreissenden Interview auf dem WEF 2018 in Davos beschrieben. Der ehemalige Lehrer nutzt das Bildungssystem als Beispiel, um deutlich zu machen, wie entscheidend es zukünftig sein wird, unsere ‚Soft-Skills‘ zu reaktivieren.

Der Mythos Bauchgefühl

Wie sorgenfrei wäre eine Welt, in der ich alles kinderleicht aus meinem Bauch heraus entscheiden könnte. Von der Wetterprognose „Ich fühle, dass es heute noch regnet“, bis hin zur Geschäftsentwicklung „Ich weiss einfach, dass das der richtige Weg für unser Unternehmen ist“. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Intuition ist ein ungenutztes Potential, das, wie alles wertvolle im Leben, erlernt werden muss.

Andrew McAfee, MIT Cambridge USA – ein Herr der für mich immer wieder eine grosse Inspirationsquelle ist – hat dies 2010 in seinem Harvard Business Review Beitrag sogar drastischer formuliert. „Following intuition is a deeply misguided advice“.

Was meint der digitalen Vordenker damit? Es geht nicht um ein naives folgen eines Gefühls, sondern…
…es braucht Zeit Intuition zu entwicklen.
…die Fähigkeit des aktiven Zuhörens und Wahrnehmens muss zuerst trainiert werden
…die Basis für Intuition sind wir selbst, es braucht Konsistenz in der eigenen Wahrnehmung, um diese Kraft nutzen zu können. Wie das geht? Lest diesen Artikel von mir: ‚ZERO is the light‘

Heute, knapp 10 Jahre später, fand ich im Forbes Magazin ein Interviewmit Ryan Caldwell, Gründer des rasant wachsenden Technologie-Unternehmens MX Technologies. Ryan beschreibt eindrücklich, was es unternehmerisch bedeutet auf die eigene Intuition zu vertrauen. Am Ende lässt es sich mit Klarheit zusammenfassen. Klarheit, wer ich bin. Klarheit, was das unternehmerisch bedeutet (=Werte). Klarheit, in Worten und Verhalten. Klarheit, um konsequente Entscheidungen zu treffen.

Ich gebe den Herren McAfee und Caldwell Recht:
In der Intuition liegt ein enormes Potential, das uns unabhängiger klare Entscheidungen treffen lässt, da sie aus uns selbst heraus getroffen werden. Es gilt diese kaum genutzte Stärke zu reaktivieren und zu kultivieren, um sie anwenden zu können. Ich mag den Vergleich mit Sport: Würde ich mir heute einfach so vornehmen täglich Sport zu machen, würde ich das vermutlich fünf Tage durchhalten. Um jedoch Sport als Selbstverständnis in meinen Alltag zu integrieren, braucht es Konsequenz, Ausdauer und den starken Glauben, dass es mir einen Mehrwert stiftet. Nicht anders ist es mit der Intuition.

„Intuition ist keine Willkür und auch kein sechster Sinn, es ist eine Form von Intelligenz“, sagte Prof. Gerd Gigerenzer, Direktor Max-Planck-Institut Berlin. Für mich ist es die Fähigkeit, Wissen (Ratio) mit Gefühl (Emotion) zu verbinden und in den Moment zu übersetzen.I am text block. Click edit button to change this text. Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.

"Intuition ist keine Willkür und auch kein sechster Sinn, es ist eine Form von Intelligenz".
- Prof. Gerd Gigerenzer

Wie Intuition als Denk- und Lebensstil kultiviert werden kann, habe ich auf der Frühjahrstagung des spm Verband in Zürich vortragen dürfen. 250 Manager aus der Schweiz waren meine Zuhörer und der Veranstalter hat hierfür eine inspirierende Bühne geboten. Ein Teaser (3 Minuten) ist hier zu finden. Wer Zeit und Muse hat, kann auch dem 30-minütigen Vortrag lauschen.

Was mich kürzlich inspiriert.

Nachhaltigkeit wird vermutlich bald als Unwort des Jahres gekürt. Jeder Unternehmer, aber auch mein privates Umfeld, stimmt ein in den Chor „Ja, wir müssen uns dem Thema annehmen“. Es gibt die wildesten Ideen, wie das umzusetzen ist. Der Eine strebt eine ISO Zertifizierung für seine Firma an, der Nächste kauft nur noch regionale Produkte und ein Anderer verzichtet auf das Fliegen innerhalb der EU, geniesst jedoch jeden Morgen sein Avocado-Toast (Wie kommt die Avocado aus Mexico in die Schweiz?). Was Nachhaltigkeit als Gesamtes bedeuten kann, durfte ich erfahren, als ich einige Monate in Holland gelebt habe.

Ein Land, in dem Städte wie Amsterdam bereits unterhalb des Meeresspiegels liegen, betrifft jede noch so kleine Klimaveränderung unmittelbar. Umso schöner zu erleben, was dieser Umstand mit dem Denk- und Lebensstil der Holländer macht. Die Holländer haben eine enge Verbindung zur Natur. Das zeigt sich nicht zuletzt in der konsequenten Umsetzung im Bereich E-Mobility, sowie zahlreichen Impact Start-ups oder nachhaltigen Food-Konzepten.

Jack Bean, ein veganes Fast Food Start-up:
Einer der Gründer, ein Star-Koch aus Rotterdam, wollte beweisen, dass veganes Essen nicht nur gut schmecken kann, sondern auch satt macht und nachhaltig herzustellen ist. Dieses junge Team nutzt ausschliesslich Produkte, die in der Region angebaut werden (bspw. keine Avocado oder Quinoa). Sie haben einen digitalen Bestellprozess über Tablets bis hin zu Geschirr aus nachwachsenden Rohstoffen. Zielpublikum: Männer, die sich gesund ernähren wollen, aber nicht auf Geschmack verzichten mögen. Nachhause geliefert wird auch, jedoch nur mit dem Fahrrad-Kurier oder E-Scooter und natürlich in recycelbaren Boxen. Grossartiges, ganzheitliches Konzept, mit Entwicklungs-Potential.

Hiermit kommt diese Episode zum Ende. Danke für die Aufmerksamkeit und dem Folgen meiner Impulse.